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Stolpersteine in Gerolzhofen

Warum werden als erste Stolpersteine in Gerolzhofen drei kleine Messingplatten auf Pflasterquadern für Meta, Max und Paul Henle verlegt? Es waren in Gerolzhofen doch verschiedene jüdische Familien ansässig. Warum also entschied man sich ausgerechnet für die Familie Henle?

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Warum werden als erste Stolpersteine in Gerolzhofen drei kleine Messingplatten auf Pflasterquadern für Meta, Max und Paul Henle verlegt? Es waren in Gerolzhofen doch verschiedene jüdische Familien ansässig. Warum also entschied man sich ausgerechnet für die Familie Henle?

„Weil wir inzwischen zu dieser Familie umfangreiche Recherchen haben und es Kontakte mit den wenigen Nachfahren gibt“, erklärt Evamaria Bräuer, Beiratsmitglied des KulturForums Gerolzhofen. Wie so oft spielte auch hier der Zufall eine Rolle. Zwei Damen aus Berlin, die in Österreich Urlaub machten, begegneten Gustav und Ida Lichtenauer aus Israel, die ebenfalls dort weilten. Im Gespräch bat Lichtenauer die beiden, Nachforschungen über seine Familie anzustellen, sollten sie einmal nach Gerolzhofen kommen. Er selbst schaffe es nicht, seinen Geburtsort zu betreten. Die beiden Berlinerinnen fuhren später tatsächlich nach Gerolzhofen. Auf der Suche nach der Schrift Michael Pfrangs zur Jüdischen Gemeinde führte sie der Weg in die Buchhandlung „Teutsch am Turm“.

Hier wurden sie an Stadtführerin Evamaria Bräuer weiter verwiesen. Das war für Evamaria Bräuer Anlass, weitere Forschungen aufzunehmen und den Kontakt zu Gustav Lichtenauer zu knüpfen, denn schon seit Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit den jüdischen Traditionen in Gerolzhofen. Bräuer wandte sich an den jüngst verstorbenen Archivar Michael Schneeberger aus Kitzingen, der im Auftrag der Lauder-Stiftung Forschungen über fränkische jüdische Familien anstellte. Über den Stammbaum der Lichtenauers klärten sich die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Familie Henle: Meta Henle, geboren in Brünnau, war eine Tochter von Bernhard und Ernestine Lichtenauer. Der Name Lichtenauer war damals gut bekannt in Gerolzhofen. Die Familien Lichtenauer führten mehrere erfolgreiche Geschäfte in der Innenstadt, dazu verschiedene landwirtschaftliche Betriebe und Viehhandlungen. Meta leitete schließlich das, 1911 von ihrer Mutter Ernestine gegründete Salamander Schuhgeschäft Lichtenauer in der Marktstraße. 1923 heiratete sie Max Henle. Gemeinsam führten sie das Geschäft erfolgreich bis 1938 weiter.

Max Henle wurde 1882 im Laupheim (Baden Württemberg) geboren. In Ulm besuchte er die Elementarschule und anschließend das Realgymnasium. Er studierte an der Königlichen Industrieschule. Er leistete einen einjährigen Militärdienst, zog in den Ersten Weltkrieg und wurde als stellvertretender Offizier dreimal schwer verwundet. Für seine erwiesene Tapferkeit wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. 1923 zog er nach Gerolzhofen.

Auch das Schuhgeschäft der Henles blieb in der Pogromnacht im November 1938 nicht von Verwüstungen verschont. Max Henle wurde in „Schutzhaft“ genommen. Daraufhin stellte das Ehepaar 1939 einen Antrag zur Auswanderung in die USA. Die zuständigen Beamten im US-Staat Minnesota genehmigten aber keine weiteren Einwanderungen aus Nazi-Deutschland, die geplante Auswanderung scheiterte.

Paul Henle war das einzige Kind von Max und Meta und wurde 1925 in Würzburg geboren. Paul ging in die Volksschule in Gerolzhofen. Als einziges Foto von ihm existiert ein Bilddokument aus dem Jahr 1933. Es zeigt den Buben inmitten fröhlicher Klassenkameraden bei einem Ausflug in der dritten Klasse.

Kurz nach der Aufnahme begannen für die jüdischen Kinder die Schikanen und Verbote. Aus diesem Grunde glaubten seine Eltern, Paul in der größeren Stadt Fürth sicherer. 1941 kehrte er nach Gerolzhofen zurück.

Im April 1942 musste er zusammen mit seiner Familie eine Reise ohne Wiederkehr in den Tod antreten. Diese endete für die Familie Henle und alle Gerolzhöfer Juden im Zuge der Aktion Reinhardt mit der Ermordung in den Menschen-Vernichtungslagern in Polen. Die Henles kehrten nie mehr zurück.

Quelle: mainpost.de / Autor: ks

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